Rückkehr zum Tagesgeschäft

Lehman Brothers (cc) Li-Ji


von Sebastian Wolff

Die Pleite der US-Großbank Lehman Brothers vor genau einem Jahr löst eine gigantische Abwärtsspirale aus. Die Finanzkrise verschärft sich in einem dramatischen Ausmaß, sie reißt in der Folge die gesamte Weltwirtschaft in den Strudel mit nach unten. Für eine gewisse Zeit scheint es damals so, als verlören die Ökonomen den Glauben an den Kapitalismus. Überzeugungen, die jahrzehntelang als Wahrheiten galten, werden plötzlich in Frage gestellt. Unter dem Eindruck der Krise fordern selbst konservative Politiker, dass die Marktkräfte gezügelt werden müssten. Forderungen, wie sie sonst nur Globalisierungskritiker wie das Netzwerk Attac gestellt haben, werden mit einem Mal ernst genommen und von Politikern wie Ökonomen selbst erhoben.

Doch das ist nur eine Momentaufnahme. Als die Wirtschaft im Frühjahr beginnt, sich wieder zu fangen und die Aktienkurse sich erholen, ist es mit der revolutionären Stimmung wieder vorbei. Zwar werden zahlreiche Reformen eingeleitet, die verhindern sollen, dass es in der Zukunft noch einmal zu Verwerfungen kommt, wie es sie nach dem Lehman-Zusammenbruch gegeben hat. Für die Finanzmärkte sollen strengere Regeln eingeführt werden. In wenigen Tagen werden darüber erneut die G20-Länder beraten. Am marktwirtschaftlichen Grundprinzip rüttelt aber kaum mehr jemand. Die Rückkehr zum "business as usual" sei bereits im Gange, warnen Kritiker. Offen bleibt derzeit die Frage, wie weit die Lehren letztendlich gehen, die Politiker, Ökonomen und Unternehmer aus der Krise ziehen. Denn diese ist noch lange nicht vorbei. Viele Menschen werden ihre Auswirkungen erst noch zu spüren bekommen - etwa wenn sie ihren Arbeitsplatz verlieren.

Berliner Zeitung, 15.09.2009

Wahl 2009: Exklusive Umfrage zur Wirtschaftspolitik

Wahl 2009

Was verspricht welche Partei dem Mittelstand zur Bundestagswahl?

Wir haben die Parteien zu ihren Zielen und Positionen in der Wirtschaftspolitik befragt. Was Unternehmen von welcher Partei künftig erwarten können, lesen Sie hier.

Weitere Wirtschaftsnews

Wirtschaftliche Krise in Ostdeutschland noch nicht überwunden

Fabrik Hersteller Auftraege

Die Wirtschaftskrise in Ostdeutschland ist noch nicht überwunden. Der Aufschwung Ost lässt im Vergleich zu den alten Bundesländern noch weiter auf sich warten. mehr »

BBI: Weltweit erste CO2-neutrale Wasserstofftankstelle

Platzeck

Am zukünftigen Hauptstadtflughafen Berlin Brandenburg International (BBI) wird die weltweit erste CO2-neutrale Wasserstofftankstelle gebaut. Der Wasserstoff und die Energie werden komplett aus Windkraft gewonnen. mehr »

Automarkt: Ernüchterung nach der Abwrackprämie

Matthias Wissmann

Nach der Abwrackprämie nun die Ernüchterung auf dem Automarkt. Die Zulassungszahlen gehen im Februar stark zurück. mehr »

Krisenjahr 2009: Unternehmensinsolvenzen gestiegen

Insolvenz

Im Jahr der Wirtschaftskrise 2009 ist die Zahl der Unternehmensinsolvenzen erstmals nach fünf Jahren wieder stark gestiegen. mehr »

Maschinenbau: Wichtigstes Exportstandbein in Deutschland

Maschinenbau Auftragssteigerung

Deutschlands wichtigste Exportgüter im Jahr 2009 waren Maschinen. Ihr Anteil an den deutschen Ausfuhren betrug 15,1 Prozent. Infolge der Wirtschafts- und Finanzmarktkrise verringerte sich der Export jedoch im Vergleich zum Vorjahr um 24,1 Prozent. mehr »

Umsatzrückgang im Baugewerbe: Arbeitsplätze aber weitgehend sicher

Handwerker Bau Dach Arbeiter

Trotz des milliardenschweren Konjunkturpakets der Bundesregierung für 2010 rechnet das deutsche Baugewerbe erneut mit einem Umsatzrückgang. mehr »