Sechs sparsame Modelle führen neue Auto-Umweltliste an / Deutsche Hersteller holen auf
von Peter Kirnich
Die Qual der Wahl haben Autofahrer noch nicht, wenn sie in einen umweltfreundlichen Pkw umsteigen wollen. Aber immerhin: "In diesem Jahr ist das Angebot abgasarmer Fahrzeuge so groß wie noch nie", konstatierte der verkehrspolitische Sprecher des umweltorientierten Vehrkehrsclubs Deutschland (VCD), Gerd Lottsiepen, gestern bei der Vorstellung der neuesten Auto-Umweltliste. Niemand müsse heute noch einen Pkw kaufen, der mehr als fünf Liter Sprit verbrauche. "Auch dann nicht, wenn die Familie drei Kinder hat, der Papa 1,95 groß und beruflich oft mit drei großen Musterkoffern auf der Autobahn unterwegs ist." Für ihn wäre der Sieger der diesjährigen Auto-Umweltliste des VCD genau das richtige Fahrzeug: der Toyota Prius. Die dritte Generation des Hybrid-Autos ist der erste mit Benzin betriebene Pkw, der weniger als vier Liter auf 100 Kilometer verbraucht.
Nicht nur das hat die VCD-Experten überzeugt: Auch der CO2-Ausstoß liege mit 89 Gramm pro Kilometer auf einem Spitzenplatz, obwohl im Auto und Kofferraum genug Platz für die Familie und das Gepäck sei. Die bei Toyota bereits bewährte Hybridtechnik lässt den Prius rein elektrisch anfahren und schaltet bei höherer Geschwindigkeit auf den sparsamen Benzinmotor um.
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Hinter Toyota folgen in der Rangliste gleich fünf weitere japanische Modelle. Damit fahren die Japaner bei den Öko-Modellen weiter vornweg. Dennoch gab es auch etwas Lob für die deutsche Autoindustrie. Die habe langsam begriffen, dass umweltfreundliche Pkw gefragt sind, sagte Lottsiepen. Nachdem die Hersteller jahrelang moderne Hybrid-Technik "verschlafen" hätten, seien sie nun aufgewacht. Ergebnis: Unter den zehn auserwählten saubersten Autos des Jahres befinden sich mit zwei Smart fortwo coupé und einem VW Polo auch drei deutsche Modelle. Im Vorjahr war nur ein Auto "Made in Germany" in der Spitzengruppe zu finden. Zudem schafften es der Smart cdi mit einem CO2-Ausstoß von 88 Gramm pro Kilometer auf Platz eins in der Kategorie der klimafreundlichsten Modelle. Der gasbetriebene VW Touran 1,4 lag in der Klasse der großen Familienautos mit sieben Sitzen an erster Stelle.
Der VCD legte die Auto-Umwelt-liste in diesem Jahr zum 20. Mal vor. Seitdem habe sich der Schadstoff-Ausstoß deutlich verringert. Beim Spritverbrauch habe es einen Rückgang von 22 Prozent gegeben. "Doch technisch wäre viel mehr möglich gewesen", sagte Lottsiepen. Bereits 1999 habe es mit dem VW Lupo und zwei Jahre später mit dem Audi A2 zwei Sieger gegeben, die es auf einen Spritverbrauch von drei Liter gebracht hatten. Die Produktion beider Modelle sei später eingestellt worden.
Die Automobilkrise habe zudem dazu beigetragen, dass ambitionierte Ziele "verwässert" worden seien. So hatte sich die Autoindustrie in Europa bis 2008 auf einen Grenzwert beim CO2-Ausstoß von 140 Gramm pro Kilometer für die jeweiligen Autoflotten verpflichtet. "Tatsächlich lag der Wert bei 160 Gramm, in Deutschland bei 165 Gramm", kritisierte Lottsiepen. Immerhin: Bis heute sei der Verbrauch weiter auf 156 Gramm gesunken.
Elektroautos spielten in der Öko-Rangliste keine Rolle, betonte der VCD. Bei der Diskussion über Elektroautos müsse es ohnehin "mehr Nüchternheit" geben, sagte Lottsiepen. In den nächsten zehn oder zwanzig Jahren "werden diese Autos nicht unser Straßenbild bestimmen". Dafür sei die Batterietechnik noch nicht weit genug entwickelt. Zudem fehle die Infrastruktur. Die Bundesregierung will die Zahl der Elektroautos bis 2020 auf eine Million erhöhen. Einen entsprechenden Aktionsplan will das Bundeskabinett heute beschließen. Unter anderem plant der Bund finanzielle Anreize, mit denen ab 2012 der Verkauf von 100.000 Elektroautos gefördert werden soll.
Derzeit unterstützt die Regierung die Entwicklung der Elektromobilität bereits mit 500 Millionen Euro für den Zeitraum von drei Jahren aus Mitteln des Konjunkturprogramms. Lottsiepen kritisierte die einseitige Förderung: Besser wäre es, "grundsätzlich alle Pkw deutlich sparsamer zu machen", und dies zu unterstützen. Auch die Deutsche Umwelthilfe rät davon ab: "Die Förderung einer Nischentechnologie bei gleichzeitigem Verzicht auf jegliche Kaufanreize für spritsparende und gleichzeitig saubere teilelektrifizierte Fahrzeuge ist falsch", sagte Geschäftsführer Jürgen Resch.
Top Ten 2009/2010
1 Toyota Prius Hybrid 7,53
2 Toyota IQ 1.0 VVT-i 7,36
3 Honda Insight Hybrid 7,13
4 Nissan Pixo 6,83
Suzuki Alto 6,83
6 Honda Civic Hybrid 6,66
7 Smart fortwo Coopé 45 kw 6,36
8 Smart fortwo Coopé cdi 6,35
9 Daihatsu Cuore 1.0 6,31
10 VW Polo 1.6 TDI BlueMotion Tech. 6,30
Berliner Zeitung, 19.08.2009