Porsche feiert neuen Panamera in Schanghai
von Peter Kirnich
Das spektakuläre Zeremoniell schien sich angeboten zu haben, einmal mehr ein altes Gerücht neu aufzuwärmen: Im 94. Stockwerk des World Financial Centers in der chinesischen Metropole Schanghai feierte Sportwagenbauer Porsche am Sonntag die Weltpremiere des viertürigen Luxuscoupés Panamera. Eine Milliarde Euro Entwicklungskosten hat der neue Porsche verschlungen. Da muss man bei einer Weltpremiere auch in Krisenzeiten nicht kleckern. Per Lastenaufzug wurde das Auto senkrecht 425 Meter hochgehievt.
Trotz des atemberaubenden Schauspiels ist einigen Beobachtern nicht entgangen, dass in der ersten Reihe der Ehrengäste nicht Porsche-Chef Wendelin Wiedeking neben dem Aufsichtsratschef Wolfgang Porsche Platz genommen hatte, sondern VW-Chef Martin Winterkorn. So wurde aus Schanghai die Botschaft vermittelt, Wiedeking müsse nach langem Machtkampf seinen Platz an der Spitze der Porsche-Holding räumen. Neuer Chef der Dachgesellschaft, die unter sich den Sportwagenhersteller und VW vereint, werde Winterkorn.
Häufige Machtkämpfe
Offenbar war den Berichterstattern bei der Weltpremiere doch etwas schwindelig geworden: Gestern jedenfalls haben sowohl Porsche als auch VW die angebliche Entmachtung Wiedekings klar dementiert: "Da ist nichts dran, das ist absoluter Quatsch", sagte ein Porsche-Sprecher der Berliner Zeitung. Bei VW hieß es: "Aus unserer Sicht gibt es keinen Machtkampf." Wiedeking sei nur wegen einer Magenverstimmung der Premiere fern geblieben.
Gerüchte über die Ablösung von Wiedeking haben zuletzt immer wieder die Runde gemacht. VW-Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch hatte sich im Oktober gemeinsam mit Porsche-Aufsichtsratschef Wolfgang Porsche hinter Wiedeking gestellt. Wolfgang Porsche ist der Enkel von Ferdinand Porsche und Cousin von Ferdinand Piëch. Bei Porsche haben beide Familien das Sagen. Zwischen ihnen kam es wiederholt zu Machtkämpfen. Denn Wiedekings Vorstellungen decken sich wenig mit der Philosophie von Piëch. So hält Wiedeking nichts davon, dass bei Volkswagen Marken wie VW oder Audi gegeneinander antreten. Auch den Nutzen von Luxusmarken wie Bentley, Bugatti und Lamborghini, die Piëch einst erworben hatte, bezweifelt Wiedeking. Vor allem aber regt sich bei VW Widerstand dagegen, dass der Porsche-Chef die Sperrminorität bei VW von 20 Prozent kippen und damit den Einfluss des Landes Niedersachsen deutlich mindern will. Derzeit besitzt Porsche 50,67 Prozent an VW. Ziel sind 75 Prozent.
22.04.2009