Krisengipfel - Erdöl wird immer teurer. Doch die meisten Opec-Staaten wollen die Fördermenge nicht erhöhen. Trotzdem glaubt der EU-Energie-Kommissar, dass ein Wendepunkt in dem Konflikt erreicht ist.
von Gerold Büchner
Der für den Energiesektor zuständige EU-Kommissar Andris Piebalgs geht davon aus, dass sich die Erdölmärkte nach der Konferenz von Dschidda stabilisieren. Er warnt vor einer vollständigen Politisierung des Ölgeschäfts.
Herr Kommissar, was kann die Ölpreis-Konferenz bewirken?
Ich glaube, dass sie ein Wendepunkt sein könnte. Bisher waren die Ursachen für den Preisanstieg strittig, jetzt haben sich beide Seiten - Produzenten- und Verbraucherländer - angenähert. Wenn sie weiter zusammenarbeiten, kann der Preis sinken, und er muss es auch: 130 Dollar für ein Fass sind zu hoch. Auch 100 Dollar, wie sie manche Förderländer anpeilen, wären nicht gerechtfertigt. Denn der weltweite Verbrauch ist nicht so stark gestiegen.
Was sind dann die Ursachen für die Preisexplosion - pure Spekulation?
Der Markt befürchtet, dass Erdöl knapp wird und dass etwas passiert, was die Produktion einschränkt. Dann können die Preise noch höher steigen.
Ist neben Transparenz auch eine stärkere Regulierung auf den Finanz- und Rohstoffmärkten nötig?
Wir haben bisher keine Manipulation an den Märkten gesehen. Spekulation ist immer ein Element auf Märkten, aber es ist nicht das wichtigste Element. Es gibt keine Verschwörung zur Steigerung der Ölpreise. Aber wir brauchen mehr Transparenz auf den Märkten und mehr vorbeugende Maßnahmen, statt nur im Nachhinein zu handeln.
Welche Rolle spielen politische Unwägbarkeiten um wichtige Förderstaaten, beispielsweise Venezuela, Iran, Nigeria?
Das spielt eine sehr wichtige Rolle. Einige Produzentenländer setzen auf den Markt, andere wollen das Öl als politisches Instrument nutzen. Das zeigt die Aussage des venezolanischen Präsidenten Hugo Chavez, er werde wegen der europäischen Einwanderungspolitik auf Erdölexporte nach Europa verzichten. Chavez spricht nur aus, was andere produzierende Länder denken. Die Gefahr einer kompletten Politisierung des Erdölgeschäfts ist groß. Das bedeutet eine grundlegende Änderung oder gar ein Ende des Ölmarkts. Deshalb ist ein positives Signal der Konferenz von Dschidda, dass es eine Möglichkeit gibt, den Weltmarkt zu retten.
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