Die wenigsten Unternehmen kennen den Stromverbrauch ihrer Computer. Dabei ist eine Senkung dringend nötig
von Jean Pierre Bassenge
Sparsame und damit zugleich umweltfreundliche Computer sind für deutsche Unternehmen ein wichtiges Thema. Doch vor allem in kleineren und mittleren Betrieben ist energieeffiziente Elektronik bislang wenig verbreitet. Das zu ändern hat sich nun ein Zusammenschluss von mehr als 35 Unternehmen aus der Informationstechnik- und Telekommunikationsbranche zum Ziel gesetzt. Mit Informationskampagnen und individueller Beratung will die gestern offiziell gestartete "Green IT Allianz" die Verbreitung sparsamer Computersysteme zügig voranbringen.
Nur jeder Sechste weiß Bescheid
Vor allem eklatante Wissenslücken bei den Verantwortlichen sind daran Schuld, dass sparsame Energiekonzepte bislang kaum umgesetzt werden. Das ist das ernüchternde Ergebnis einer aktuellen Studie, für die die Unternehmensberatung Experton mit den IT-Zuständigen von hundert deutschen Firmen gesprochen hat.
So kennen die Verantwortlichen nicht nur viel zu selten die Möglichkeiten, den Stromverbrauch ihrer Computer zu senken. Nach der Höhe der Stromkosten ihres Rechenzentrums gefragt, mussten 85 Prozent der Zuständigen Experten zugeben, dass sie diese überhaupt nicht kennen.
Dabei tut eine Senkung des Stromverbrauchs dringend Not. Denn der Anteil von Computern und elektronischen Geräten am gesamten Stromverbrauch liegt nach Angaben des Bundeswirtschaftsministeriums in Deutschland mit zehn Prozent deutlich höher als der globale Schnitt. Der größte Anteil entfällt mit knapp 60 Prozent auf private Haushalte; knapp 30 Prozent machen Arbeitsplätze in Unternehmen sowie deren Rechenzentren aus. Der Rest geht für Mobilfunk und Internetanschlüsse drauf. Bis 2020 werde der Stromverbrauch im IT- und Telekommunikations-Sektor um mindestens 20 Prozent steigen, ergab eine Studie im Auftrag des Wirtschaftsministeriums.
Dass das Interesse der Unternehmen an günstigen IT-Lösungen wachsen wird, davon zeigt sich August-Wilhelm Scheer, Präsident des Branchenverbandes Bitkom, fest überzeugt: "Die steigenden Energiepreise sind auf unserer Seite und werden den Firmen die Augen öffnen."
Ein erster Schritt ist die bessere Überwachung des Verbrauchs, etwa mit intelligenten Stromzählern, die zeigen, wann Strom günstig zu haben ist. Zudem lassen sich herkömmliche Computer durch Thin Clients ersetzen - das sind abgespeckte Rechner, die aus kaum mehr als Tastatur, Maus und Bildschirm bestehen und ihre Daten über das Netzwerk beziehen. "Bereits ab acht Arbeitsplätzen lohnt sich der Einsatz", sagt Marc Thylmann von Bitkom.
Serverräume weniger kühlen
Ein weiterer Tipp: "Serverräume müssen nicht wie heute üblich auf 18 oder 19 Grad gekühlt werden. 25 Grad reichen aus", sagt Thylmann. Der Temperaturunterschied schade den Rechnern nicht - entlaste die Energiebilanz des Rechenzentrums jedoch enorm.
Informationen für energiebewusste Firmen gibt es auf: www.green-it-projektberatung.de
Berliner Zeitung, 23.07.2009