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Wer sich einen Ausbildungsplatz sucht, sollte auch sein künftiges Gehalt im Blick haben

von Miriam Müller

Auch wenn die Situation auf dem Lehrstellenmarkt in Berlin trotz des Wirtschaftsaufschwungs weiterhin so ist, dass viele schon froh sind, wenn sie überhaupt eine Ausbildung machen können, spielt das Gehalt bei der Suche nach einem passenden Beruf eine wichtige Rolle. Manche Berufe locken den Nachwuchs mit vergleichsweise hohen Löhnen. Die Steigerungen nach bestandener Abschlussprüfung sind dann aber unter Umständen nicht mehr so groß. Doch ist der Verdienst nur ein Aspekt der Berufswahl. Wichtig ist daneben vor allem der Spaß an die Arbeit. Letztlich hängt auch von diesen Faktoren der berufliche Erfolg ab. Und ist die Karriere erst einmal richtig in Gang gekommen, steigt das Gehalt meist sowieso.

Erhebliche Unterschiede

Wer einen Ausbildungsplatz sucht, sollte dennoch ruhig vergleichen, welche Vergütung er während der Lehre erhält, und welches Gehalt später gezahlt wird. Es gibt je nach Branche und regionalem Tarifbereich Unterschiede von mehreren hundert Euro. Dies ergab eine Auswertung von Tarifverträgen in 23 Wirtschaftszweigen und Tarifbereichen, die das Tarifarchiv des Wirtschafts-und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung vorgelegt hat. Die Azubis in Deutschland bekommen demnach zwischen 30 und 53 Prozent des späteren Einstiegsgehalts. Eine Schulabgängerin, die zum Beispiel zur Bürokauffrau ausgebildet wird, verdient im Bauhauptgewerbe im dritten Lehrjahr 999 Euro und damit 53,4 Prozent der Einstiegsvergütung; in der Süßwarenindustrie Ost sind es 696 Euro oder 35,5 Prozent des ersten Gehalts, und im privaten Verkehrsgewerbe in Thüringen bekommt sie 442 Euro im dritten Ausbildungsjahr.

Das Lehrlingsgehalt hängt von der Einigung der Tarifparteien, also der Arbeitgeber und der Gewerkschaften, ab. Deshalb ist auch die Situation in den einzelnen Wirtschaftszweigen unterschiedlich: Im Bauhauptgewerbe gibt es eine vergleichsweise hohe Ausbildungsvergütung, die gewerblichen Auszubildenden verdienen im dritten Lehrjahr 1 086 Euro. "Das ist noch eine Folge des einstigen Nachwuchsproblems in der Baubranche", sagt Reinhard Bispinck, Leiter des WSI-Traifarchivs. Weil der Nachwuchs in den 1970er Jahren fehlte, wurden die Azubis gut bezahlt, damit sich viele junge Menschen für diesen Beruf entschieden. Bis heute habe sich die höhere Vergütung gehalten, so Bispinck, obwohl es jetzt wesentlich mehr Bewerber gebe.

"Die Ausbildungsvergütung sollte jedoch kein allein entscheidendes Kriterium sein", rät Bispinck. Den Lohn als Maßstab zu nehmen - damit täten sich die Azubis mittel-und langfristig keinen Gefallen. Das sieht Hermann Nehls, Berufsbildungsexperte beim Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB), ähnlich. "Die Ausbildung sollte in erster Linie Spaß machen", sagt er. Interesse und Freude am Beruf seien gerade angesichts einer Abbrecherquote von 23 Prozent wichtige Größen. Er empfiehlt jedoch, das bundesweit durchschnittliche Ausbildungsgehalt von 613 Euro im Blick zu behalten. "Die absolute Untergrenze ist natürlich die von den Tarifparteien vereinbarte", so Nehls.

Breites Spektrum

Bispinck empfiehlt den Lehrstellensuchenden zudem, nicht nur auf den ausgetrampelten Pfaden der beliebtesten Berufe wie Friseur, Bürokauffrau und Kfz-Mechatroniker zu wandeln, sondern auch an Berufsalternativen womöglich mit größeren Einsatzmöglichkeiten zu denken. "Ein Chemikant oder eine IT-Fachkraft ist für das spätere Berufsleben immer breit aufgestellt", sagt er. Dadurch vergrößern sich die Chancen bei der Stellensuche nach Ende der Ausbildung.
BLZ, 16.06.2007

Infos & Links


Die Hans-Böckler-Stiftung ist das Mitbestimmungs-, Forschungs- und Studienförderungswerk des DGB. Im Internet erreichbar unter www.boeckler.de.

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