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Der letzte Eindruck bleibt
Bei der Arbeit ist es wie beim Turnen - ein gekonnter Abgang verbessert die Note. Wer sich jedoch angesichts des baldigen Abschieds gehen lässt, vermasselt sich damit meist sein Image.
von Ruprecht Hammerschmidt
Mit stabilem Wirtschaftswachstum dreht sich auch das Job-Karussell schneller. Wer seinem Arbeitgeber den Rücken kehrt, weil er eine bessere Stelle gefunden hat, sollte aber für die letzten Arbeitstage an das Sprichwort denken: "Man sieht sich im Leben immer zweimal." Ebenso wichtig wie der erste Eindruck ist der letzte. Diesen werden der Chef und auch die Kollegen am längsten in Erinnerung haben. Wer meint, das könne ihm egal sein, weil er ja ohnehin nicht mehr für den Betrieb arbeitet, irrt. Unabhängig, um welche Branche es geht - Mitarbeiter und Chefs sind mit den Kollegen aus anderen Firmen stets gut vernetzt. Schnell spricht sich herum, welchen Ruf ein Ex-Kollege genießt. Wer seinen letzten Arbeitstag dazu nutzt, um die eine oder andere offene Rechnung zu begleichen, hinterlässt verbrannte Erde und schadet letztlich nur seinem Image.
Woran sollte man denken?
Die letzten Wochen vor einem Weggang aus einer Firma sind wie der Start eine Phase der Aufmerksamkeit. "Da wird noch einmal von den Kollegen genau beobachtet, wie verhält der sich eigentlich", sagt Thomas Rübel vom Berliner Büro für Berufsstrategie. Er empfiehlt, diese Zeit als Chance zu nutzen, um für sich Werbung zu machen. Denn sicher ist, dass geredet wird und nicht nur innerhalb des Betriebes. Womöglich erhält der Ex-Chef vom neuen Vorgesetzten sogar einen Anruf, in dem er sich über den Wechsler informiert. Wer dann die letzten Wochen verpatzt hat, wird kaum Lob erwarten können. Und der Eindruck ist auch für das Zeugnis wichtig. Denn gerade zum Schluss wird genau registriert, wie die Leistungen waren. "Optimal ist es, wenn man die Handschrift des Mitarbeiters auch Jahre nach seinem Weggang erkennt", sagt Rübel. Das kann etwa ein ausgetüfteltes Ablagesystem sein oder brillante Textbausteine für Geschäftsbriefe. Damit der Nachfolger sich zurechtfindet, muss der Arbeitsplatz perfekt überlassen werden. Dazu gehört auch eine umfassende Einarbeitung des Kollegen, der die Arbeit übernimmt. "Wer dabei sein Herrschaftswissen für sich behält und etwa Kunden-Telefonnummern nicht übergibt oder sogar Passwörter verschweigt, macht einen sehr schlechten Eindruck", sagt Rübel. Und es sei immer schlecht, wenn die alten Kollegen sagen ,gut, dass der weg ist‘, stellt er fest.
Was ist verboten?
Wer eine Stelle wechselt, hat deshalb in den letzten Tagen keine Narrenfreiheit. Mancher nutzt die Phase, um sich an Vorgesetzten zu rächen. Dies zahlt sich nie aus. "Wer seinem Chef über Jahre nie die Meinung gesagt hat, sollte am letzten Tag nicht damit anfangen", rät Rübel. Das gelte auch bei Kollegen. Selbst, wenn jemand gekündigt wurde, hat er einen Ruf zu verlieren. Im Zweifel braucht der Arbeitnehmer die alte Firma noch öfter als umgekehrt. Wer auf einen besseren Posten wechselt, sollte sich gegenüber anderen nicht arrogant verhalten. "Womöglich wird dem Weggänger in der Probezeit gekündigt", sagt der Experte. "Dann ist ihm die Häme der anderen sicher."
Was ist ein angemessener Rahmen für einen Abschied?
Der letzte Arbeitstag ist meist mit einem Abschiedsumtrunk verbunden. Dabei gilt, dass dies eine geschäftliche Veranstaltung ist, bei der die Business-Etikette eingehalten werden sollte. Dazu gehört, dass alle Kollegen der Abteilung eingeladen werden. "Es gehört sich, dass der Jobwechsler die Form wahrt und zu allen gleich freundlich ist - egal, ob Freund oder Feind", sagt Rübel. Er schlägt vor, Kollegen, mit denen der Kontakt freundschaftlich war, nach dem offiziellen Termin noch privat in ein Restaurant einzuladen. Bei der Abschlussrede gilt es ebenfalls, höflich zu bleiben und sich bei Chefs und Team zu bedanken. Kritik an anderen wirkt dabei wie ein feiges Nachtreten. Wer partout kein nettes Wort für einen Kollegen übrig hat, kann ihn beim Dank einfach übergehen - solch eine Spitze wird sicher registriert.
Berliner Zeitung, 07.07.2007
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