Arbeitsfrust: Betrachten Sie Ihren Arbeitsplatz mal positiv


Vielleicht haben Sie das selbst schon einmal erlebt: Sie haben einen Job, mit dem Sie sich überhaupt nicht wohlfühlen. Jeder Tag wird zur Qual, Sie reagieren auf Ihr Umfeld allergisch, Sie sind unglücklich. Vielleicht denken Sie daran, zu kündigen. Versuchen Sie es doch einmal mit einem Perspektivwechsel. Entdecken Sie die positiven Merkmale und lassen Sie sich nicht von ihrer negativen Einstellung überwältigen. Denn auch ein schlechter Job kann bei genauem Hinsehen Vorzüge haben.

Im Problem liegt oft die Lösung

Timothy Butler, Senior Partner und Chef des Career Development Programs an der Harvard Business School und Autor des Buches Getting Unstuck: How Dead Ends Become New Paths meint, dass man sich mit der eigenen Unzufriedenheit gründlich auseinandersetzen muss, um sie zu verstehen. Das gilt vor allem dann, wenn keine schnelle Besserung in Aussicht ist. Laut Butler ist die „existenzielle Natur der Unzufriedenheit“ ein Weckruf. Butler sagt:

„Es gibt einen Teil von einem selbst, der nicht gehört wird, der deine Aufmerksamkeit will, und das ist das Problem.“

Auch Joe Mosca, Professor an der Leon Hess Business School der Monmouth University meint, dass man zuerst in sich gehen sollte. Er stellt fest:

„Manch einer wird das sicher nicht gerne hören. Sicherlich gibt es den Fall, dass Menschen einfach nicht zu ihrem Job passen. Doch die Beschäftigten neigen dazu, ihre Unzufriedenheit bei der Arbeit lieber wegzudiskutieren anstatt in Betracht zu ziehen, dass sie vielleicht selbst Teil des Problems sind. Doch wenn man Teil des Problems ist, kann man ebenso Teil der Lösung sein.“

Was die Experten damit meinen: Oft ist es gar nicht der Arbeitsplatz, der so frustrierend und schlecht ist. Manchmal ist es die eigene Einstellung. Ein erster Lösungsschritt kann dann sein, höhere Ansprüche an sich selbst zu stellen und mehr aus den - vielleicht wenigen - Möglichkeiten des Arbeitsplatzes zu machen. Fragen Sie sich, wie Sie eine uninteressante Arbeit abwechslungsreicher gestalten können. Sie können sich beispielsweise Gedanken machen und Vorschläge einbringen, wie sich Abläufe verbessern lassen.

Erkennen Sie Anzeichen der Unzufriedenheit

Manche Menschen sind mit ihrer Arbeit so unglücklich, dass ihre Leistung sichtbar schlechter wird und sie sich bei ihrem Chef unbeliebt machen. Viele von ihnen leiden darunter physisch und psychisch. Oft ist nur die Kündigung der scheinbar einzige Ausweg.

Es gibt sowohl physische als auch verhaltensbezogene Signale, die deutlich machen, dass etwas nicht stimmt. Das können sein: Abgelenktheit, Lustlosigkeit, Wut oder leichte Reizbarkeit, Schlafmangel oder übermäßiger Schlaf, Flucht in Alkohol sowie die Isolation von Freunden. All das kann eine zugrundeliegende Depression oder Angst andeuten, die nicht auf die leichte Schulter genommen werden darf. Doch wenn jemand keinen Ausweg mehr sieht, zu zerbrechen droht oder depressiv wird, dann sollte er professionelle Hilfe in Anspruch nehmen. Wichtig ist, dass die Probleme vertraulich behandelt werden.

Jeder kann einen Beitrag zur Lösung leisten, wenn er selbst oder mit der Hilfe anderer seine Sichtweise verändert. Folgende Tipps können helfen, um auch in einem nicht zufriedenstellenden Job zurechtzukommen:

1. Betrachten Sie ehrlich die Realität!

In wirtschaftlich unsicheren Zeiten sind viele Arbeitsplätze in Gefahr. Da wird man sich zweimal überlegen, ob man seinen Arbeitsplatz aufgibt. Nichtsdestotrotz sollten Sie die festgefahrene Lage nicht einfach nur tatenlos hinnehmen. Akzeptieren Sie, dass Sie nicht in Ihrem Traumjob arbeiten, selbst wenn Sie es heute nicht ändern können. Doch ergreifen Sie Schritt für Schritt Maßnahmen, um Dinge zu ändern. Auch kleine Schritte bringen sie voran.

Wenn Sie ihre Arbeit immer nur als großes Ärgernis ansehen, wird das nicht nur Ihre Leistungsfähigkeit beeinträchtigen, sondern ihr gesamtes Lebensgefühl. Lernen Sie also, mit Ihren Gefühlen nüchtern umzugehen. Am Anfang steht die Einsicht: So ist es nun einmal.

2. Entwickeln Sie einen Plan!

Zeigen Sie Eigeninitiative. Wenden Sie sich an zuverlässige Freunde und Familienangehörige. Wenn es etwas gibt, das Sie ändern möchten, reden sie in einem günstigen Augenblick mit Ihrem Chef darüber. Wenn Sie Vorschläge haben, erörtern Sie, wie diese Ihre Leistung, Arbeitsabläufe und die Arbeitssituation verbessern. Vielleicht kann das Personalmanagement Ihnen helfen, einen für Sie passenderen Job innerhalb des Unternehmens zu finden. Vielleicht können Sie in Teilzeit wechseln.

Sie könnten zudem versuchen, sich eine neue Kompetenz anzueignen. Immerhin wäre das hilfreich, um sich auf einen anderen Job vorzubereiten. Und es kann Ihre Stimmung im jetzigen Job verbessern.

Betrachten Sie Ihren Arbeitsplatz einmal mit etwas Abstand. Entdecken Sie die vielen Dinge in Ihrem Leben, die Spaß machen können. Suchen Sie sich Aufgaben, die Sie außerhalb der Arbeit angehen und bewältigen, beispielsweise Hobbys oder Interessen, denen Sie nachgehen. Damit gewinnen Sie etwas, auf das Sie sich immer wieder freuen können.

3. Finden oder betonen Sie das Positive!

Erstellen Sie eine Liste von den Dingen, die Sie an Ihrem Job mögen. Sie könnten etwa dankbar für die gute Gesundheit, für nette Kollegen oder einen kurzen Arbeitsweg sein. So eine Liste wird es Ihnen erleichtern, eine völlig neue Sicht auf die Dinge zu bekommen. Das entlastet und Sie fühlen sich befreiter. Beachten Sie: Wenn Sie keine Verantwortung für sich selbst übernehmen, dann wird es Ihre Leistung beeinträchtigen, Ihre Zufriedenheit weiter zerfressen, und die Zeit bei der Arbeit verschlimmern.
Grundsätze, die Sie beachten sollten

Do:

  • Unterscheiden Sie zwischen dem, was Sie ändern können, und was nicht.
  • Übernehmen Sie die Verantwortung, etwas zu ändern.
  • Konzentrieren Sie sich darauf, das Beste aus einer schlechten Situation zu machen.

Don't:

  • Davon ausgehen, dass sich nie etwas ändern wird.
  • Sich von negativen Gedanken beeinflussen lassen.
  • Es im Alleingang versuchen.

Beispiel 1: Zufriedenheit innerhalb der Arbeit finden

Eine Marketingleiterin war über Jahre erfolgreich in ihrem Beruf, bis sie sich mit ihrem Chef überwarf. Er bescheinigte ihr immer gute Leistungen, sodass sie mehr als überrascht war, als er sie plötzlich fallen ließ. Ein persönliches Gespräch mit ihrem Vorgesetzten führte dazu, dass sie es jeden Tag hasste, zur Arbeit gehen zu müssen. Sie war fest entschlossen, einen neuen Job zu finden, wollte ihre alte Arbeit in der Zwischenzeit jedoch so erträglich wie möglich gestalten. Sie sagt:

„Als erstes trieb ich mich an, am Limit zu arbeiten, sodass mein Chef nie wieder einen Grund haben würde, unzufrieden mit mir zu sein.“

Daraufhin stürzte sie sich in ein neues Projekt und stellte sich ein eigenes Team zusammen. Ein Mentor unterstützte sie. Gegenüber ihrem Chef verhielt sie sich immer loyal und ließ sich nie von ihren Gefühlen leiten. Als sie schließlich einen anderen Arbeitsplatz fand und kündigte, war sie ihrem Chef am Ende sogar dankbar für das, was er sie gelehrt hatte.

Beispiel 2: Zufriedenheit außerhalb der Arbeit finden

Der Mitarbeiter eines großen Beratungsunternehmens war von seiner Arbeit frustriert. Er klagt:

„Ich fühlte mich so, als ob mein Chef nicht verstehen würde, was ich brauchte, um Tag für Tag meinen Job auszuüben.“

Doch er mochte seine Kollegen. Also ging er in sich, um den Grund seiner Unzufriedenheit herauszufinden und erkannte, dass nicht andere, sondern er selbst der Auslöser war. Er spielte mit dem Gedanken, ein eigenes Unternehmen zu gründen. Seine Hoffnung war, dass er durch diesen Plan neue Einsichten gewinnen könnte. Er bekam schließlich die Erlaubnis, drei Tage pro Woche für sein eigenes Projekt zu arbeiten, was es ihm ermöglichte, seine Idee zu verwirklichen. Nach einiger Zeit stellt der Mitarbeiter fest:

„Mit einer verkürzten Arbeitswoche, regelmäßigen Gesprächen mit meinem Chef und einem Fokus auf Dinge außerhalb der Arbeit wurde ich sehr viel glücklicher während meiner Zeit hier.“

23.03.2010

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