DIHK-Präsident: Berufsbildung europäisieren
Azubis brauchen mehr Auslandserfahrung. Das fordert Ludwig Georg Braun, Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) anlässlich der Konferenz "Lernraum Europa verwirklichen" der deutschen EU-Ratspräsidentschaft am 4. und 5. Juni in München. "In zehn Jahren muss es normal sein, dass jeder 10. Azubi einen beruflichen Auslandsaufenthalt absolviert", so Braun.
Derzeit verbringt nur jeder 100. Auszubildende einen Teil seiner Lehrzeit in einem anderen Land. Im Gegensatz dazu sammeln 13 Prozent der Hochschulabsolventen Auslandserfahrung.
Im Zeitalter des Europäischen Binnenmarktes müsse sich nationale Berufsbildung europäisch öffnen, denn der gemeinsame Markt habe zu neuen Qualifikationsanforderungen geführt, so der DIHK-Präsident. "Die Unternehmen benötigen verstärkt Mitarbeiter, die neben ihren beruflichen Fachkompetenzen auch die Fähigkeit besitzen, über Sprach- und Kulturgrenzen hinweg mit anderen Mitarbeitern zusammen zu arbeiten." Auslandserfahrenes und fremdsprachlich versiertes Personal seien ein großer Wettbewerbsvorteil, denn der Kunde honoriere es, wenn man in seiner Sprache auf die Wünsche eingehe, so Braun weiter.
Dies gelte in besonderem Maße für den Exportweltmeister Deutschland mit neun Nachbarstaaten und -grenzen zu den neuen wirtschaftlichen Wachstumszentren in Mittel- und Osteuropa. Braun appellierte an die deutsche Ratspräsidentschaft, den geplanten Europäischen Qualifikationsrahmen baldmöglichst auf den Weg zu bringen. Er sei ein geeignetes Instrument, um berufliche Qualifikationen grenzübergreifend lesbar zu machen und könne so die europaweite Arbeitsmobilität fördern.
Allerdings seien auch die Unternehmen gefordert. Derzeit führten fast nur Großunternehmen ausländische Ausbildungsphasen als gezielte Personalentwicklung durch. Aber auch für kleine und mittlere Betriebe sei die Auslandsqualifizierung ihrer beruflichen Fachkräfte wichtig: 98 Prozent der rund 350.000 deutschen Exporteure seien mittelständische Unternehmen. Die Exportorientierung des Mittelstandes sei in den letzten Jahren kontinuierlich gewachsen und sein Potenzial für die Erschließung neuer internationaler Absatzmärkte noch längst nicht ausgeschöpft.
Um die jungen Menschen fit für einen Auslandsaufenthalt zu machen, müssten allerdings bereits die Schulen das notwendige Rüstzeug für berufliche Auslandspraktika bereitstellen, zum Beispiel durch frühzeitige und ausreichende Fremdsprachenangebote - das fordert der DIHK.