Die Online-Revolution

Student betrachtet Grafik auf Monitor (cc) Nic McPhee

Computer und Internet öffnen den Studenten neue Welten. Forscher warnen zugleich vor einer "digitalen Demenz".

von Eva-Maria Träger

Jetzt geht es wieder los. Für bundesweit fast zwei Millionen Studenten beginnt die Vorlesungszeit des Wintersemesters. In Berlin sind es etwa 134.000. Die meisten von ihnen studieren „auf Bachelor“, kürzer und schneller als ihre Vorgänger. Auch die Studienbedingungen verändern sich, in einigen Bereichen sogar rasant.

Klappernde Tasten statt knisternden Papiers, klickende Mäuse statt knarzender Stifte – die Geräuschkulisse in den Lesesälen der Universitätsbibliotheken zeigt wohl am deutlichsten, wie sich das Studium in den letzten Jahren gewandelt hat. Auf den Holztischen stehen keine Kästen mit bunten Karteikarten mehr – stattdessen summen darauf blau leuchtende Laptops. Noch vor zehn Jahren verfügten die meisten Studenten nur über stationäre PCs und kamen mit Ordnern und Skripten in die Bibliothek, machten sich handschriftliche Notizen. Heute geben sich viele mit dem Laptop als Lernutensil zufrieden – und dem Internetzugang der Bibliothek.

Die Technik hat den Alltag und das Universitätsleben zunehmend verändert. Wirkliche Ruhe gibt es nirgendwo, vor Handys, Laptops und iPods ist man auch in Hörsälen nicht sicher. Ständig brummt und piept es irgendwo – eine unruhige Lernumgebung, die konzentriertes Arbeiten nur schwer möglich macht. Hinzu kommt das über Laptops ständig erreichbare Internet. Wer kann schon arbeiten, wenn alle paar Minuten per Gong angekündigte Mails eintrudeln?

Um ein Studium erfolgreich zu meistern, müssen Studenten deshalb heute vor allem über gute Analyse-Fähigkeiten verfügen. Die britische Professorin Tara Brabazon schildert die Schwierigkeiten ihrer eigenen Studenten in ihrem Buch „The University of Google“. Viele begreifen nicht, schreibt sie, dass das Ziel des Studiums der Aufbau von Wissen sei und nicht das Zusammentragen von Daten: „Die Studenten verwechseln die Qualität und Quantität von Informationen.“ Viele verfielen in eine bemerkenswerte Passivität, konsumierten und verwendeten vor allem Informationen aus dem Internet erstaunlich unreflektiert und unkritisch.

Obwohl so viel Wissen wie nie verfügbar ist, sind die Studenten nach Tara Brabazons Beobachtung weniger kreativ, innovativ und dynamisch als früher, zugleich lesen sie weniger, scannen Informationen nur oberflächlich und können sich weniger gut und klar ausdrücken – „clicking replaces thinking“.

Eine mögliche Erklärung dafür ist die wachsende Konzentration auf ein Medium, in diesem Fall das Internet. Während es vor einigen Jahren noch eine von mehreren Quellen neben Büchern, Zeitschriften und wissenschaftlichen Artikeln war, verlassen sich viele Studenten heute auf die Resultate aus dem Netz. Nicht-digitale Quellen werden durch die Omnipräsenz des Computers ausgeblendet, das Googeln ist oft der erste – manchmal auch der einzige – Schritt.

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