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8 Fragen an ... Wanja Oberhof, Mitgründer von niiu, der 1. personalisierten Zeitung
niiu-Erfinder Hendrik Tiedemann
und Wanja Sören Oberhof (v.l.n.r.)
Interview mit
Wanja Oberhof, Mitgründer von niiu, der ersten personalisierten Tageszeitung
Eine verrückte Idee: Ab sofort kann sich jeder seine eigene, gedruckte Tageszeitung aus verschiedenen Quellen zusammenbasteln und erhält sie per Post in den Briefkasten. Das Projekt heißt „niiu“ und erdacht haben es zwei Wirtschaftsstudenten, Hendrik Tiedemann (27) und Wanja Sören Oberhof (23).
Die Inhalte können sowohl aus Qualitätszeitungen wie der Frankfurter Rundschau, dem Handelsblatt oder der New York Times gewählt werden, aber auch aus der Bild-Zeitung und aus Online-Quellen wie Blogs. Seine eigene Zeitung kann sich jeder nach den persönlichen Vorlieben zurechtbasteln. Dabei hat der Leser bis um 14 Uhr am Vortag Zeit, die gewünschten Themen auszuwählen. Eine Zeitungsausgabe umfasst zurzeit 24 Seiten. Vorerst kommen allerdings nur Berliner in den Genuss einer personalisierten Tageszeitung. Wanja Oberhof verrät im Interview, wie das Projekt – auch finanziell – funktioniert.
b2b-deutschland.de: Herr Oberhof, wie kamen Sie auf die Idee, individuelle Tageszeitungen zu produzieren?
Weder das Internet noch die gedruckte Tageszeitung bilden das Informationsverhalten und den Lifestyle junger Leute ausreichend ab – also auch unser eigenes nicht. Das wollen wir ändern: mit einem Produkt, das zum einen die persönlich ausgewählten Inhalte der Zeitungen bietet, die Hintergrund und Kommentare liefern, das zum anderen aber auch die Vielfalt des Internet widerspiegelt, die bis heute keinen Platz in der klassischen Tageszeitung findet. Dabei informieren sich gerade junge Leute heute häufig im Netz: mit Special-Interest-Inhalten genauso wie über neue, meinungsbildende Formate, z. B. Blogs, Social Networks und ähnliches. All das wollen wir den Lesern jetzt in EINEM Produkt bieten, und zwar über dem derzeit besten, weil komfortablen Medium – Papier.
Was bedeutet der Name niiu?
Niiu ist ein Phantasiewort. Es ist phonetisch nahe den Wörtern new oder news. Das passt gut, und wir wollten keinen englischen Namen.
So sieht eine niiu aus. Hier: die persönliche Ausgabe von Herrn Oberhof
Wie viele Mitarbeiter hat niiu?
Wir sind zwölf Teammitglieder. Das beinhaltet: feste Mitarbeiter, freie Mitarbeiter, studentische Hilfskräfte und immer wieder Praktikanten.
Wer ist die Zielgruppe von niiu?
Im ersten Schritt adressieren wir mit niiu junge Leute, insbesondere Studenten. Wir sind selber ein sehr junges Team und sind der Ansicht, dass niiu für dieses Zielgruppe eine Nachfrage befriedigt.
Wollen Sie mit niiu diejenigen erreichen, die keine der klassischen Tageszeitungen lesen?
Ja. Insbesondere die jungen Leute sind es zwar noch von zu Hause gewohnt, Zeitung zu lesen, finden aber häufig keine Zeitung, die ihren Lifestyle und ihre Interessen abdeckt. Das ändern wir mit niiu.
Am 16. November kam die erste personalisierte Tageszeitung auf den Markt. Wie viele Abonnenten haben Sie schon gewinnen können – falls das kein Geheimnis ist...?
Unser Ziel ist es in sechs Monaten 5.000 zahlende Leser zu gewinnen. Daran lassen wir uns messen und da sind wir auf einem sehr guten Weg.
Wie haben Sie Ihre Gründung finanziert?
Mein Partner Hendrik Tiedemann hat die Gründung selbst finanziert.
Eine Ausgabe kostet für Studenten 1,20 Euro und für alle anderen 1,80 Euro. Wie finanziert sich niiu in Zukunft: Allein über Anzeigen-Werbung und die Abonnement-Preise?
Das sind in der Tat die beiden Erlösquellen von niiu.
Ihre Anzeigen können Sie genau auf den jeweiligen Abonnenten abstimmen, da sie wissen, ob der Leser ein Mann oder eine Frau ist und für welche Themen er sich interessiert. Auch kennen Sie die Merkmale Wohngebiet und Universität. Mit dieser sehr zielgruppengenauen Werbeansprache müssten Sie doch besonders hohe Anzeigenpreise erzielen können, oder?
Genau dieses Wissen zu nutzen, ist in der Tat ein Ziel von niiu. Davon profitieren sowohl Leser als auch Werber, wir haben in der ersten Woche eine Aktion mit BMW gemacht und in jeder Anzeige wurde der Leser persönlich mit Namen angesprochen. Das kam bei Werber und Leser sehr gut an ...
Welchen ultimativen Tipp können Sie anderen Gründungswilligen mit auf den Weg geben?
Winston Churchill soll einst eine Rede gehalten haben, in welcher er seine gesamten Erfahrungen und Leitsätze seines Lebens zusammenfassen wollte. Es kamen Leute aus ganz England angereist um seiner Rede zu zuhören. Er stand auf, ging ans Rednerpult und begann seine Rede: „Never, never, never give up.“ Dann setzte er sich wieder hin. Diese Worte hängen auch über meinem Schreibtisch und halfen in den letzten zweieinhalb Jahren, nach so manchem Rückschlag.
Herr Oberhof, wir danken Ihnen für das Gespräch.
Das Interview führte Katrin Herdejürgen.
Mehr Informationen zu niiu finden Sie auf der Internetseite der Zeitung: www.niiu.de
26.11.2009
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