Existenzgründung mit nur einem Euro. Warum die kleine GmbH-Schwester auf Erfolgskurs ist.
von Petra Lang
Sie ist klein, sie ist fein und sie hilft die für Existenzgründer oft unüberwindbare Hürde des nötigen Stammkapitals zu überwinden: die Mini-GmbH. Als „Unternehmergesellschaft (haftungsbeschränkt)“ kommt die neue Rechtsform gut an. Sie ist die „deutsche Antwort“ auf die für Gründer oft attraktiveren ausländischen Gesellschaftsformen und sorgt seit Ende 2008 dafür, dass die deutsche GmbH im internationalen Vergleich wieder konkurrenzfähig ist.
Allein im Berliner Handelsregister gibt es laut Industrie- und Handelskammer 700 neue Eintragungen (Stand Mai 2009). Bundesweit sind es sogar 9.200 Unternehmungsgründungen dieser Art, wie eine Umfrage der Universität Jena ergab.
Die deutsche Antwort auf die Limited
Besonders die englische Limited, ein Pendant zur deutschen GmbH, wurde von Existenzgründern in der Vergangenheit häufig genutzt, weil sie weniger Anforderungen bei der Gründung stellt und gleichzeitig den Vorteil der beschränkten Haftung bietet. Mit der Mini-GmbH (Unternehmergesellschaft) sollen nun auch Gründer mit geringem Startkapital ihre Chance als Unternehmer bekommen. Dabei ist nicht nur die nötige Kapitalaufbringung „mini“ – es reicht ein symbolischer Betrag von einem Euro –, auch die Anzahl der nötigen Gesellschafter ist „mini“, denn ein Gesellschafter genügt.
Bei so wenig Aufwand für die Existenzgründung stellt sich die Frage: Ist die Mini-GmbH wirklich eine vollwertige GmbH? Rein rechtlich ja. Sie wird als Einstiegsvariante zur GmbH gewertet und kann ohne das sonst vorgeschriebene Stammkapital von 25.000 Euro gegründet werden. Doch auch die neue Unternehmergesellschaft im Kleinformat hat ihren Haken: Damit die Mini-GmbH mittel- und langfristig das Haftungskapital erreicht, darf die neue Unternehmergesellschaft ihre Gewinne so lange nicht voll ausschütten, bis sie das Stammkapital von 25.000 Euro angespart hat. 25 Prozent des Gewinns müssen dafür verwendet werden. Nur so können Forderungen eventueller Gläubiger abgesichert werden. Sind die 25.000 Euro erreicht, kann die Unternehmergesellschaft in eine klassische GmbH „umfirmieren“.
Schnellstart durch weniger Bürokratie
In puncto Schnelligkeit hat die Einsteiger-Variante im Vergleich zur klassischen GmbH jedoch wieder klare Vorteile. Der Gesetzgeber sieht für die Gründung der neuen Unternehmergesellschaft zwei Musterprotokolle vor. Wer eines dieser Protokolle als Standard verwendet, spart viel Zeit, denn er hat damit bereits den Gesellschaftsvertrag, die Bestellung des Geschäftsführers und die Gesellschafterliste erfüllt. Außerdem fallen deutlich geringere Notarkosten an. Und wer nach dem Motto verfährt „Die Firma bin ich“, also eine Ein-Mann-GmbH gründet, muss nicht die sonst üblichen Sicherheitsleistungen erbringen (§§ 7 Abs. 2 S. 3, 19 Abs. 4 GmbhG).
Schneller geht es auch, weil die Eintragung ins Handelsregister ohne die vorherige Vorlage von Genehmigungen (z. B. der Gaststättenerlaubnis) erfolgt. Nur wenn Zweifel bestehen, dass der Gründer nicht genug Kapital aufbringen kann, müssen Einzahlungsbelege vorgelegt werden.
Mini-GmbH kommt gut an
Dass die kleine GmbH-Schwester gut ankommt, belegen die weiter steigenden Gründungszahlen. Auch die IHK Berlin begrüßt die Mini-GmbH. Melanie Bähr, IHK-Justiziarin: „Mit ihrer Einführung wurde eine langjährige Forderung der IHK Berlin erfüllt, wenig kapitalintensiven Gründungen im deutschen Recht eine Alternative zur Limited zur Verfügung zu stellen.“
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In Kürze: Mini-GmbH/Unternehmergesellschaft (haftungsbeschränkt)
Die Mini-GmbH ist eine vollwertige GmbH. Durch erleichterte Gründungsbedingungen gilt sie als Einstiegsvariante zur klassischen GmbH, die durch Ansparen von Stammkapital erreicht wird. Als Einlage genügt der symbolische Wert von einem Euro (natürlich kann auch mehr eingezahlt werden).
Von den erreichten Gewinnen müssen 25 Prozent gespart werden, bis das sonst übliche Stammkapital von 25.000 Euro erreicht ist.
Das Mini-GmbH-Gründungsverfahren ist im Vergleich zur klassischen GmbH vereinfacht, billiger und deutlich schneller und bietet Existenzgründern eine unkomplizierte Einstiegsmöglichkeit auf dem Weg zur Selbständigkeit.
31.07.2009