Krisenzeiten sind Unternehmenszeiten?!

Dirk Maass Businessplan Wettbewerb Berlin-Brandenburg Dirk Maass, Projektleiter des Businessplan Wettbewerb Berlin-Br.

Interview

In einer internationalen Umfrage des weltweit größten Online-Wissensnetzwerks LinkedIn (www.linkedin.com) unter rund 3.000 Fach- und Führungskräften gibt jeder zweite deutsche Teilnehmer an, seine Abfindung im Falle einer Kündigung in die Gründung eines eigenen Unternehmens zu investieren. Damit liegt Deutschland knapp über dem weltweiten Schnitt von 49 Prozent und beweist großen Unternehmersinn in Zeiten der Krise. Wie steht es um das Gründungsgeschehen in Berlin und unter welchen Vorzeichen wird der Businessplan Wettbewerb Berlin-Brandenburg (BPW) in seine 15. Runde starten? Wir sprachen mit BPW-Projektleiter Dirk Maass über die besonderen Herausforderungen, die diese turbulenten Zeiten an die angehenden Jungunternehmer stellen.

Herr Maass, ist Berlin ein guter Platz für Gründer?

Die Hauptstadt hat ein enormes kreatives und innovatives Potenzial und bietet im bundesweiten Vergleich ein hervorragendes Umfeld für Unternehmensgründungen. Die ausgezeichnete Forschungslandschaft in Berlin kommt vor allem den Gründungen im Technologiebereich zugute. Berlin ist deutschlandweit „Gründungshauptstadt“ und hat mit dem BPW den erfolgreichsten regionalen Wettbewerb dieser Art in Deutschland.

Sie und Ihr Team sind tagtäglich sehr nah am Puls der Gründerszene. Welche Auswirkungen hat die schlechte Konjunkturlage seit Herbst letzten Jahres?

Das Interesse der Gründerinnen und Gründer an den Angeboten des BPW ist ungebrochen hoch. Wir konnten bisher keine konjunkturbedingten Abwärtstrends beobachten. Allerdings auch keinen Zuwachs an Gründungen aus der Arbeitslosigkeit, von dem in den Medien manches Mal die Rede ist. Grundsätzlich kann ich aber sagen, dass die Gründungsdynamik an sich derzeit belastet ist, die Vorlaufzeit einer tatsächlichen Unternehmensgründung also etwas länger dauert als üblich.

Weniger Venture Capital, zögerliche Banken – wie hart ist heutzutage der Kampf ums Startkapital?

Nicht alle Unternehmensgründer starten mit externem Kapital. Aber diejenigen, die Fremdkapital benötigen, müssen jetzt einen längeren Atem beweisen. Die Vorsicht ist größer geworden, darauf muss man sich als Gründer einstellen. Nicht umsonst gibt es aber Bundes- und Landesförderinstitute wie die KfW und die IBB, die mit ihren Angeboten einspringen. Bei den „Kleinstgründungen“ mit wenig Kapitalbedarf beobachten wir in der IBB zum Beispiel eine unverändert hohe Nachfrage nach dem Mikrodarlehens-Programm.

Ob Hochtechnologie, Handwerk oder Dienstleistung – was müssen Gründer generell beachten?

Das A und O ist zunächst eine gründliche Planung des Unternehmens. Es müssen Zielgruppen und deren Verhalten sowie der gesamte Zielmarkt und dessen Entwicklung genau untersucht werden. Das Geschäftsmodell muss natürlich auch in schwierigen Zeiten Bestand haben bzw. die Planung muss so sein, dass sie eine längere anfängliche Durststrecke einkalkuliert, denn die Startphase ist schwierig und die Gefahr zu scheitern groß. Hier ist eine finanzielle Absicherung besonders wichtig. Aber letztlich sind Mut und unternehmerischer Elan immer noch am wichtigsten.

Berlins Universitäten haben in den letzten Jahren einiges unternommen, um studentische Gründer zu unterstützen. Wie schätzen Sie das schulische Umfeld in Berlin ein?


Es gibt bereits Ansätze, die genau dieses Ziel verfolgen. Es gilt für die Schüler, Eigenverantwortlichkeit, Eigeninitiative und Selbstständigkeit zu üben und unternehmerisches Denken und Handeln frühzeitig im Unterricht kennenzulernen. Das Ministerium für Bildung, Jugend und Sport unterstützt zum Beispiel diese Entbrochen wicklung und hat in den vergangenen Jahren sein besonderes Augenmerk auf die Verbesserung der Situation der wirtschaftlichen Bildung und Berufsorientierung von Schülerinnen und Schülern gerichtet. Auch in Berlin gibt es ein Netzwerk von Schülerfirmen, an dem sich bisher 47 Schulen beteiligen. Dennoch müssen wir in Deutschland generell an vielen Stellen daran arbeiten, Unternehmertum als solches zu etablieren. Ein Stück weit liegt zurückhaltender Gründergeist auch daran, wie in Deutschland mit Unternehmenspleiten umgegangen wird. Ein Neustart ist hier deutlich schwerer als zum Beispiel in den USA. Da gehört hinfallen und wieder aufstehen einfach dazu. Davon sind wir noch weit entfernt!

„Krisenzeiten sind Unternehmerzeiten“ – endet der Ausspruch für Sie mit einem Frage- oder Ausrufezeichen?

Mit einem Ausrufezeichen! Aber nur für diejenigen, die mutig und engagiert genug sind, sich den Herausforderungen und den sich vielleicht gerade jetzt ergebenden Chancen zu stellen. Durchhaltevermögen, Konzentration auf das Wesentliche, Spaß an der Sache und ein klares Ziel vor Augen sind die zentralen Schlagworte. Aber das gilt im Grunde auch für die Gründung in ganz normalen Zeiten.

Vielen Dank für das Gespräch!


Der Wettbewerb:

Businessplan-Wettbewerb Berlin-Brandenburg
Wettbewerbsbüro in der Investitionsbank Berlin (IBB)
Bundesallee 210, 10719 Berlin
Telefon: 030 / 21 25 21 21

www.b-p-w.de

Der BPW 2010 startet am 4.11.2009 um 17.30 Uhr mit einer Auftaktveranstaltung im Ludwig Erhard Haus, Fasanenstraße 85, 10623 Berlin.

12.10.2009

Infos & Tipps

Dieser Artikel stammt aus dem hofkurier, der Zeitung für das Berliner Gewerbe, herausgegeben von der ORCO-GSG.
Die aktuelle Ausgabe des hofkuriers finden Sie jeweils hier.