Kampf dem Duftdoppelgänger - Ein Gründerporträt

hofkurier GSG myparfuem-Artikel Foto: hofkurier

In der Schöneberger Feurigstraße entstehen individuelle Parfüms, die mit wenigen Mausklicks von Nutzern im Internet eigens kreiert wurden – das Ganze gelabelt und schön verpackt. Eine geniale Geschäftsidee von vier Berliner Studenten.


Die besten Ideen bringt der Zufall: Auf einer Geburtstagsparty beklagten sich ein paar Freundinnen darüber, dass sie zuweilen anderen Frauen begegnen, die „ihren“ Parfümduft tragen. Eine Bemerkung, die den Startschuss für ein erfolgreiches Geschäftsprojekt von vier Berliner Studenten gab. Diese überlegten, wie sich Duftdoppelgänger vermeiden ließen und kamen zu dem Schluss: Das geht nur, wenn jeder seinen eigenen individuellen Duft kreiert. Ein Jahr später, im August vergangenen Jahres, machten sich die Brüder Matti und Yannis Niebelschütz, Patrick Wilhelm und Viktoria Janzen mit „MyParfuem.de“ selbständig. Der Clou: Per Internet kann jeder Parfümeur werden und sich seinen Traumduft zusammenstellen. Ein Geschäft, das brummt.

Wichtig war den zwischen 22 und 25 Jahre alten Jungunternehmern, die sich bereits aus der Sandkiste kennen, dass das Prozedere im Internet kinderleicht ist: So wählen die Kunden aus vier weiblichen und vier männlichen Duftbasen das Passende aus – von fruchtig-frisch über sinnlich-orientalisch bis maskulin-würzig. Anschließend können sie aus über 30 exklusiven Zutaten, sei es Rose, Ylang-Ylang, Zitrone, Moschus, Amber oder Zimt und sogar frisches Gras, maximal 20 anklicken. Jeden Monat gibt es einen neuen Duft – in einem Blog wird entschieden, welcher es sein soll.

Wirklich individuell: Acht Billionen Düfte

Wer denkt, dass sich Düfte im Internet nicht verkaufen lassen, irrt. Denn ein sogenannter Duftkompass visualisiert den endgültigen Duft, „damit man einen Eindruck davon bekommt, was man zusammengestellt hat“, erläutert einer der Gründer, Matti Niebelschütz. Immerhin ergeben sich aus dieser breiten Palette über acht Billionen Kombinationsmöglichkeiten. Drei Flakonsorten stehen zur Verfügung. Wer Lust hat, denkt sich einen Parfümnamen aus und verewigt sich zudem mit einem Parfümdesignernamen. Nur zwei bis drei Tage später landet der Duft im Briefkasten der Kunden. Denn die per Internet eingehenden Bestellungen werden umgehend von Chemikern im firmeneigenen Labor in der Schöneberger Feurigstraße gemixt und in 30-ml-Flakons gefüllt – für jeweils 29 Euro pro Duft. Wer mit seiner Duftkreation nicht zufrieden ist, kann den Flakon problemlos umtauschen. Bislang habe es aber erstaunlich wenig Reklamationen gegeben, so Matti Niebelschütz.

Produktion anfangs im Tempelhofer Kinderzimmer

Geschäftsidee auf einer Party entwickelt und dann kurze Zeit später in die Tat umgesetzt – dazu noch in so jungen Jahren: Was so kinderleicht klingt, war für die Berliner mit vielen Hürden verbunden – alles neben dem Studium und (Abschluss-)Prüfungen. Denn wie jeder Gründer mussten sie einen Businessplan schreiben, Programmierer, Zulieferer, Geldgeber und Personal finden. Außerdem hatten sie sich als kosmetikproduzierender Betrieb anmelden müssen und werden in regelmäßigen Abständen kontrolliert. Zudem müssen alle Inhaltsstoffe auf jedem Flakon deklariert sein. „Das war anfangs alles sehr kompliziert“, so Matti Niebelschütz. Zugute kam den Junggründern, dass sie aus den Bereichen BWL, Jura und Wirtschaftsingenieurswissenschaften kommen. In den ersten Monaten wurden die Düfte noch in den ehemaligen Kinderzimmern auf einer eigenen Etage der Brüder Niebelschütz im Tempelhofer Elternhaus produziert. Vater Niebelschütz, ein Chemiker, half beim Einrichten des Labors.

Doch irgendwann wurden die 40 Quadratmeter für die über zehn Mitarbeiter zu eng. Seit Mitte Oktober ist MyParfuem in einer 230 Quadratmeter großen Gewerbeetage der ORCO-GSG, in die viele Zwischenwände eingezogen wurden, untergebracht. Inzwischen arbeiten sieben Vollzeitkräfte und 29 Teilzeitkräfte in den zentral gelegenen Räumen unweit der Haupt- und Akazienstraße. Die anfangs fünf bis sechs Bestellungen pro Tag sind auf weit über 100 hochgeschnellt. Ein Ergebnis, das sich sehen lassen kann, so Matti Niebelschütz.

Mitstreiter gesucht

Kamen anfangs die Bestellungen hauptsächlich aus dem Freundes- und Bekanntenkreis, gibt es jetzt Anfragen auch aus dem Ausland – aus Österreich, Thailand, den USA und aus arabischen Ländern. Und das, obwohl die Seite bislang nur auf Deutsch im Netz steht. Kein Wunder, dass das Personal aufgestockt werden muss. Im Bereich Kundenservice gibt es jetzt schon Engpässe. Und auch in Sachen PR und Buchhaltung halten die Macher Ausschau nach Unterstützung. Zeit, den Internetauftritt englischsprachig kompatibel zu machen. Denn unliebsame Duftdoppelgänger gibt es leider auf der ganzen Welt.

Das Unternehmen:

MyParfuem GmbH
GSG-HOF Feurigstraße 54
10827 Berlin
Telefon: 030 / 78 89 61
www.myparfuem.de

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18.06.2009

Infos & Tipps

Dieser Artikel stammt aus dem hofkurier, der Zeitung für das Berliner Gewerbe, herausgegeben von der ORCO-GSG.
Die aktuelle Ausgabe des hofkuriers finden Sie jeweils hier.