Dringend gesucht: Die richtige Versicherung

Jährlich geben Unternehmen hierzulande beträchtliche Summen für den gewerblichen Versicherungsschutz aus. Ob das Geld tatsächlich »gut angelegt« ist, zeigt sich nun mal leider oft erst im Schadensfall. Um so wichtiger ist die Beratung durch den Vermittler vor Abschluss der Police. Qualität ist auch hier gefragt, um im Ernstfall keinen Reinfall zu erleben.

Am Anfang steht immer der Risiko-Check. Ein guter Vermittler wird bei der Bestandsaufnahme der betrieblichen Gefahrenumstände behilflich sein. Zu prüfen ist dabei, welche Risiken sich eventuell minimieren oder ganz ausschalten lassen, beispielsweise durch regelmäßige Datensicherung vom Computer. Wer Arbeitsabläufe auf Schwachstellen abklopft, findet vielleicht auch Möglichkeiten, sie so zu organisieren, dass Risiken wegfallen – wie etwa die kurzzeitige Zwischenlagerung von Material auf Baustellen.

Auf der sicheren Seite steht zudem derjenige, der für klare vertragliche Verhältnisse sorgt. »Firmen, die Aufträge vergeben, sollten sich vergewissern, dass ihre Subunternehmer ausreichend versichert sind«, weiß der gerichtlich zugelassene Versicherungsberater Werner Fütterer aus Vienenburg. »Sonst müssen sie als Auftraggeber womöglich für ungedeckte Schäden gerade stehen.«

Versicherungen müssen den vorbeugenden Schutz insbesondere dort ergänzen, wo trotz bester Prophylaxe existenzbedrohende Schäden nicht ausgeschlossen werden können. Unverzichtbar für alle Branchen ist die betriebliche Haftpflichtversicherung. Wichtig bis unverzichtbar sind auch Sachversicherungen für die Gefahren Feuer, Wasser, Sturm sowie Einbruch/Diebstahl, die oft gleich zusammen mit einer Betriebsunterbrechungsversicherung abgeschlossen werden. Für Hotels und Gaststätten kommt darüber hinaus eventuell noch eine Betriebsschließungspolice in Betracht. Auch eine Elektronikpolice für die Technik im Büro wird häufig gebraucht. Dazu kommen je nach Bedarf Kredit-, Transport-, Maschinen-, Produktrückruf- und Rechtsschutzversicherung sowie die Police für das Firmengebäude.
Und schließlich sollte der Chef auch privat vorsorgen – für Krankheit und Invalidität, für’s Alter und für seine Familie.

Anbieter und Angebote

Rund 500 Versicherungsgesellschaften konkurrieren am Markt, ca. 100 davon mit umfassender Angebotspalette für Handel, Handwerk und Gewerbe. Ein Teil der Gesellschaften hat sich zusätzlich auf bestimmte Risiken sowie Branchen spezialisiert. Einige haben z.B. Haftpflicht-Policen im Angebot, die von vornherein branchentypische Risiken abdecken: So erfasst die Bauhandwerkerpolice insbesondere die speziellen Haftpflichtrisiken der Dachdecker, Sanitär- oder Elektroinstallateure.

Für Existenzgründer sind in den ersten Jahren bei vielen Anbietern Nachlässe drin. »Bis zu einem Drittel zum Beispiel in der Haftpflicht«, weiß Werner Fütterer. Mehrjährige Laufzeit der Verträge ist dabei längst nicht mehr überall »Pflicht«. Aber selbst wenn dem so ist: »Als Anfänger tut man hier nichts Verkehrtes mit einem Fünfjahresvertrag«, meint der Versicherungsberater.

Hurrikan-Schaden
Es muss ja nicht gleich ein Boot im Vorgarten landen. Auch bei einem »kleineren« Malheur schützt die richtige Versicherung vor extremen finanziellen Konsequenzen. Foto: Münchener Rück

Gleichzeitig warnt er jedoch vor dem »Tunnelblick« auf den Preis: »Die billigste Versicherung zu haben – da, wo es gegebenenfalls um Schadenersatzleistungen geht, die auch die Kunden der Firma zufrieden stellen sollen – das ist nicht immer ein Vorteil.« Im Schadenfall kommt nach seiner Erfahrung gerade in der Haftpflicht bei teureren Versicherern häufig eine bessere Lösung zustande als bei Billiganbietern.

Sachkundiger Rat gefragt

Wer eine Versicherung abschließt, hat künftig bei Vertragsabschluss mehr Rechte und kann bei der Beratung geprüfte Qualität erwarten. Ab Ende Mai gelten hier neue Regeln für Vermittler. Diese müssen dann die Beratung beim Kunden schriftlich festhalten, über eine Vermögensschadenhaftpflichtversicherung verfügen, bei der IHK registriert sein und hier eine anerkannte Sachkundeprüfung ablegen. Bislang reichte schon die Gewerbeanmeldung aus, um Versicherungen zu verkaufen. Künftig geht das nur mit einer Berufserlaubnis von der IHK. Es gibt allerdings Ausnahme- und Übergangsregelungen (sämtliche Regelungen im Internet: www.ihk-berlin24.de, Dok.-Nr. 23541). So sind beispielsweise Vermittler, die ausschließlich für eine Gesellschaft arbeiten – sog. gebundene Vermittler - von der Prüfung wie auch von der Berufserlaubnis befreit. Darüber hinaus greift eine »Alte-Hasen-Regelung«. Wer schon länger im Geschäft ist, darf auch ohne Sachkundenachweis weiter Policen verkaufen. Schon vor dem Beratungsgespräch muss der Vermittler offen legen, ob er als Einfirmenvertreter, Makler oder Berater tätig ist.

Gravierende Risiken: Schutz für die Firma

Haftpflichtversicherungen - wenn Schadenersatz droht: Wer einem anderen Schaden zufügt, ist gesetzlich zum Schadenersatz verpflichtet – in unbegrenzter Höhe. Firmen können das Risiko mit einer Betriebshaftpflichtversicherung freiwillig absichern. Sie deckt Sach-, Personen- plus Vermögensschäden ab, die Kunden, Lieferanten, Besuchern usw. zugefügt wurden. Firmenchef und Mitarbeiter sind versichert. Ergänzend können Umwelthaftpflicht- und Produkthaftpflichtversicherung nötig sein. Die betriebliche Haftpflichtversicherung wehrt unberechtigte Ansprüche ab, notfalls gerichtlich, und ersetzt Schäden nur, soweit der Versicherte dazu gesetzlich verpflichtet ist.

»Haftpflichtversicherungen gehören faktisch zum Gründungsinventar jedes Unternehmens«, so Werner Fütterer. Auch die Banken schauen neuerdings sehr häufig bei der Kreditvergabe darauf, hat er beobachtet. Sie betrachten die Haftpflicht-Police als eine Art »Insolvenzschutz«. Fütterer rät bei der betrieblichen Haftpflichtpolice zu Selbstbehalten: »Sie senken die Prämie und schärfen die Eigenverantwortung.«
Gewerbliche Sachversicherungen - finanzieller Schutz bei Feuer, Wasser, Sturm und Einbruchdiebstahl: Schäden an der betrieblichen und kaufmännischen Einrichtung, Vorräten und Waren durch die o.g. Risiken lassen sich oft kaum oder nur schwer aus eigener Tasche verkraften. Dafür gibt es die gleichnamigen Sachversicherungen (auch als Inhalts- oder Inventarversicherung bezeichnet).

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