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Seit 115 Jahren betreibt Familie Möller ihre Druckerei. Inzwischen in vierter Generation
Wenn die Maschine anfährt und die Walzen ihr rasendes Werk beginnen, bekommt Daniela Möller noch immer eine Gänsehaut. In einer Druckerei ist sie großgeworden, hat quasi zwischen den Papierrollen gespielt. Nun leitet sie eine Druckerei – genauer gesagt: die Druckerei ihrer Kindheit. Nur, dass diese seit Anfang des Jahres nicht mehr in Reinickendorf steht, sondern in Ahrensfelde kurz vor Berlin. Daniela Möller ist Geschäftsführerin von Möller-Druck, des Unternehmens, das ihr Urgroßvater 1894 in Oranienburg gegründet hat. Sie hat Verlagskauffrau gelernt, dann Medienfachwirtin. „Aber meine Leidenschaft gehörte immer der Druckerei“, sagt die zierliche Frau, während hinter ihr die 32-Seiten-Rollenoffsetmaschine brummt und ein Mitarbeiter die Farbechtheit der neuesten Ausgabe der Anglerzeitschrift „Rute & Rolle“ prüft.
Über 80 Periodika werden bei Möller-Druck regelmäßig zu Papier gebracht – darunter auch der verlagseigene „Nord-Berliner“, ein Wochenblatt, das so alt ist wie das Unternehmen selbst. Denn Wilhelm Möller gründete vor 115 Jahren nicht nur die Druckerei, sondern gleich auch noch die „Nord-Berliner Tagespost“, die mit mehreren Lokalausgaben und bis zu 42.000 Exemplaren Auflage bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges erschien – und von Wilhelms Sohn Adolf Möller schon 1948 als „Der Nord-Berliner“ wieder neu herausgegeben wurde. Wie er auch gemeinsam mit seinem Sohn Wolfgang den Druckereibetrieb wieder aufbaute; diesmal in Reinickendorf.
Nun also wieder ein Neuanfang, diesmal in Ahrensfelde. Ein Jahr hat sich der Umzug hingezogen. „Allein der Aufbau der neuen Rollenoffsetmaschine hat drei Monate gedauert“, erzählt Wolfgang Möller, Inhaber in dritter Generation und Vater von Daniela, der jungen Geschäftsführerin. Zwei Dutzend Lastzüge und Tieflader brachten den Gerätepark an den neuen Standort, dazu kamen die 32-Seiten-Rollen- und die ebenfalls neu gekaufte Bogenoffsetmaschine und ein Klebebinder, mit dem Möller-Druck nun im eigenen Haus auch dicke Kataloge und Broschüren herstellen kann. „Diese Investitionen waren ja der Grund für den Umzug“, sagt Daniela Möller, „wir brauchten einfach mehr Platz.“ Besonders stolz sind sie, dass der Umzug bei laufender Produktion bewältigt werden konnte. Zu drei Vierteln wurde er aus Eigenmitteln bezahlt, zudem half die Landesbank Berlin (LBB) mit einem Übergangskredit – und das „sehr kurzfristig“, wie Daniela Möller betont. Die Geschäftsverbindung zur LBB währt bereits seit 1981, als diese für einen Kredit zum Kauf des damaligen Firmengeländes die besten Konditionen bot. Und bis heute sei „die Zusammenarbeit außerordentlich gut und sehr vertrauensvoll“.
Aus dem kleinen Handwerksbetrieb der Nachkriegszeit ist ein mittelständisches Unternehmen mit 130 Mitarbeitern geworden, das 9000 Tonnen Papier im Jahr verbraucht und seinen Kunden den ganzen Service anbietet, angefangen von Layout und Satz über den eigentlichen Druck und Heftung oder Klebung bis hin zu Adressierung und Versand. Auf Wunsch werden sogar die Abonnements verwaltet. 21 Millionen Euro Umsatz macht das Unternehmen so im Jahr.
Wolfgang Möller geht nach eigenen Worten auf die 80 zu, seiner Tatkraft tut das aber keinen Abbruch: „Wir wollen uns auch weiterhin neue Geschäftsfelder erschließen“, sagt er und scheint schon so seine Ideen zu haben. Nicht anders seine Tochter, Chefin in vierter Generation und von der 30 noch gut entfernt. Auch sie hat die Zukunft im Sinn. Die fünfte Generation, nein, die gebe es zwar noch nicht. „Irgendwann wird es sie aber geben.“
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Hören Sie hier Daniela Möller im Interview: