Eine Versicherung gegen Berufsunfähigkeit kann helfen, wenn es im Job nicht mehr geht
Andreas Brate
Wer von seiner Arbeitskraft lebt, muss für den Fall abgesichert sein, dass er aus gesundheitlichen Gründen den Job an den Nagel hängen muss. Treffen kann es jeden: Im Jahr 2005 schieden bundesweit 164 000 Berufstätige wegen verminderter Erwerbsfähigkeit vorzeitig aus dem Arbeitsleben aus.
Wer braucht eine Berufsunfähigkeits-Police?
Zum einen jeder Selbstständige, der nicht über Vermögen verfügt - und zum anderen jeder Arbeitnehmer, der nach dem 1. Januar 1961 geboren ist. Vor 1961 geborene Arbeitnehmer haben bei der gesetzlichen Rentenversicherung noch Anspruch auf eine Teilrente bei Erwerbsminderung wegen Berufsunfähigkeit. Jüngere haben diesen gesetzlichen Schutz nicht mehr. Sie können nur noch die so genannte Erwerbsminderungsrente erhalten, bei der lediglich die körperliche Leistungskraft, aber nicht mehr der ausgeübte Beruf berücksichtigt wird. Die volle Erwerbsminderungsrente gibt es nur, wenn der Erkrankte oder Verunglückte außer Stande ist, in irgendeiner Tätigkeit mehr als drei Stunden am Tag zu arbeiten.
Wie lange sollte eine Berufsunfähigkeits-Police laufen?
Bis zum regulären Rentenalter - auch wenn eine solche Police um so teurer ist, je länger sie läuft. Doch die Anfälligkeit für bestimmte Krankheiten ist in den Jahren unmittelbar vor der Altersrente besonders hoch. Mittlerweile bieten mehr als die Hälfte der Gesellschaften Policen mit dem Endalter 67 an. Doch nicht Jeder wird tatsächlich bis zum 67. Geburtstag versichert. Hier spielt der Beruf eine entscheidende Rolle: Krankenpfleger, Kraftfahrer, Künstler oder Lehrer erhalten häufig Angebote, bei denen das Endalter deutlich unter 65 liegt.
Wie hoch sollte die monatliche Rente sein?
Zumindest so hoch, dass bei Berufsunfähigkeit der Lebensunterhalt gesichert ist. Mehr als 75 oder 80 Prozent des Nettoeinkommens sind bei den meisten Gesellschaften ohnehin nicht versicherbar. Schüler, Studenten und Azubis sind zwar versicherbar. Da sie kein oder nur geringe Einkommen haben, ist der Versicherungsschutz auf 500 bis 700 Euro Monatsrente begrenzt. Sie brauchen eine Nachversicherungsgarantie. Damit kann später zu vertraglich festgelegten Anlässen wie Hochzeit oder Gehaltserhöhung die Rente dem aktuellen Einkommen angepasst werden - ohne neue Gesundheitsprüfung.
Wer bekommt eine Berufsunfähigkeits-Police?
Im Prinzip nur gesunde Antragsteller. Liegt eine Gesundheitseinschränkung vor, ist man gesetzlich verpflichtet, den Versicherer vor Vertragsabschluss darüber zu informieren. Ein Verschweigen kann dazu führen, dass die Gesellschaft im Ernstfall die Rente verweigert. Es ist möglich, dass der Vertrag trotzdem problemlos zustande kommt. Wahrscheinlicher ist, dass der Versicherer Einschränkungen vorschlägt - zum Beispiel einen Risikozuschlag. Dann wird der monatliche Beitrag zwar teurer. Aber der Antragsteller ist sicher, ohne Einschränkung über den vollen Versicherungsschutz zu verfügen. Die Gesellschaft kann auch einen Leistungsausschluss für Krankheiten festlegen, die eventuell mit der Vorerkrankung in Zusammenhang stehen. Ehe man einen solch lückenhaften Vertrag abschließt, sollte man andere Angebote einholen, eventuell welche mit Zuschlag.
Was kostet eine Berufsunfähigkeits-Police?
Relativ viel. Im Schnitt beläuft sich der Bruttobeitrag für einen 30-jährigen Industriemechaniker laut Finanztest auf 1 740 Euro im Jahr - eine Laufzeit bis 65 und eine Rentenhöhe von 1 000 Euro unterstellt. Brutto bedeutet ohne Berücksichtigung der Überschüsse. Diese werden meist bei der Beitragsermittlung eingerechnet und führen in der Regel zu einem deutlich niedrigeren Nettobeitrag. Laut Finanztest bekommt den idealen Vertrag bis 67 derzeit eine 30-jährige Bürokauffrau bei der Cosmos-Direkt für 610 Euro netto im Jahr: Bei einer vollen Leistungsdauer bis 67 Jahre erhält sie im Ernstfall 1 000 Euro Rente.
Berliner Zeitung, 28.07.2007